Kompliment!

Es gibt ja Dinge, die wir so richtig gut machen. Unser Umgang mit Komplimenten gehört nicht dazu.

Mittlerweile haben die meisten von uns zwar raus, wie wir reif und bewusst herumnicken, NICHT jedes Kompliment und nicht JEDES Kompliment gleich abwehren, etc., aber eine Schicht darunter machen wir dann doch dasselbe wie immer: Jaja. Die Leute sagen halt viel, wenn der Tag lang ist.

Demgegenüber:

Jede billige Kritik nehmen wir uns wochenlang zu Herzen. „Könnte da nicht etwas Wahres dran sein – einfach deshalb, weil es so furchtbar unangenehm ist?“

Frauen sind Kritik-Junkies. Tatsache ist: Wir betteln regelrecht um Gründe dafür, ständig in Problemen und Prozessen zu waten.

Wenn es um Gelegenheiten geht, so richtig vergnügt und zufrieden mit sich zu sein, sieht das schon ganz anders aus. Zwar verzehren wir uns nach Anerkennung, aber wehren sie ab, sobald sie in unsere Richtung schielt.

Die Ursache dafür liegt meiner bescheidenen Ansicht nach darin, dass wir sowohl Komplimente als auch Kritik überbewerten.

Kritik zerren wir aus ihrer Ecke einer einzelnen Bemerkung in die Pflicht, das Leiden der ganzen Welt als unser eigenes Verschulden herzuleiten – und Komplimente wiederum zerren wir aus ihrer Ecke einer einzelnen Bemerkung in die Pflicht, unseren Wert und unser Recht auf Dasein zu beweisen.

Klingt schräg. Ist es auch.

Beides kann niemals funktionieren. Wir sind sowieso schon erstaunlich und prachtvoll, das können wir gar nicht verhindern, und klugerweise lässt sich das Leben nicht dazu herab, unserem Verstand dafür Beweise zu liefern.

Und genau das ist die frohe Botschaft, wenn es um Komplimente geht! Sie bedeuten nicht das, was wir ersehnen: dass wir toll sind.

Wir sind sowieso schon toll, und 101 Komplimente mehr oder weniger ändern daran auch nichts mehr (und haben das auch nie getan und nie gekonnt).

So, und was machen wir jetzt, wo wir angefixt sind von dem Loser-Spiel mit unserem Selbstwert? Gibt es Gegenmaßnahmen?

Gibt es. Kalten Entzug.

Lasst uns einen Frauenabend anzetteln, um sich all die überspannte Bedeutung aus den Poren zu schütteln.

Im Verbund mit anderen Leidensgenossinnen sperren wir uns fast 3 Stunden lang in einen warmen, sicheren Raum, bewerfen uns mit Nettigkeiten und zwingen uns gegenseitig, tief Luft zu holen und uns dann selbst zu mögen.