Fallen der Selbstfindung

„Es gibt nichts Unheilvolleres als die Sucht, Fehler finden zu wollen.“ (Sanskrit)

Warum ist es so schwer, den ganzen Tag glücklich zu sein – zu tanzen, zu fühlen und zu lieben?

Irgendwann dämmerte uns, dass die Gründe dafür nicht in unserem Umfeld liegen, sondern in uns selbst.

Dass wir selbst es sind, die unsere Chancen verspielen und die die guten Gelegenheiten verpassen. Dass wir unsere Fortschritte sabotieren und unsere Wahrheit unterdrücken.

So wurden wir Meisterinnen darin, uns selbst zu überführen. Wir begannen damit, „an uns zu arbeiten“ - unsere Fehler festzustellen, unsere Schwächen einzuräumen und uns unangenehme Feedbacks anzuhören.

Das alles können wir mittlerweile sehr gut – und es sind wichtige, mutige Fähigkeiten.

Etwas Anderes aber vergruben wir immer tiefer in uns selbst, bis es unsichtbar wurde und wir beginnen konnten, an seiner Existenz zu zweifeln: unsere Stärken. Unsere Talente. Das, was stimmt in unserem Leben, und das, was wir täglich ohne Aufheben großartig machen.

Nun wüssten wir nicht, was das in unserem Falle sein sollte? Eben. Um diese Amnesie geht es hier.

Wir Frauen neigen dazu, uns ewig dort aufhalten, wo wir für unser Leben, unseren Beruf und unsere Beziehungen „noch nicht qualifiziert genug“ sind. Aus Selbstfindung wird Selbstverbesserung und wir sitzen in einem tückischen Wiederholungszwang unserer Schulzeit. Es ist das weibliche Heimspiel ohne Richtung und Ende: sich ständig mit den eigenen Schwächen zu befassen.

Das macht uns nicht zu sozialeren oder freundlicheren Wesen, es macht uns für nichts und niemanden nützlicher. Im Gegenteil: Wir sind verschluckt von uns selbst – wir kreisen unablässig um unsere kleine ausgedachte Welt, „noch nicht genug“ zu sein.

Die große Welt da draußen dreht sich aber weiter, ihre Einladungen klopfen an - und gehen wieder. Weil wir grußlos an ihnen vorüberschlurfen, auf dem Weg zur Therapeutin.

Um es brutal auszudrücken: Erfolgreiche Menschen interessieren sich für ihre Stärken. Frauen interessieren sich für ihre Schwächen.

Erst, wenn unser Umfeld weiß, was wir alles NICHT können, fühlen wir uns gesehen. Nicht wahr - niemand darf sich FINDEN – man muss sich SUCHEN. Selbst das Feld der Heilung nutzen wir, um Gründe zu finden, gegen uns selbst vorzugehen.

Wir leiden an der fixen Idee, „die Anderen“ seien weiter – wir dürften diese oder jene Prozesse (am besten alle) gar nicht mehr haben – und bis wir endlich fertig sind, könne das eigene Leben einfach nicht losgehen. So hat uns das Lerntrauma Schule vom Lernen selbst entfremdet und damit eines der essentiell lebendigen Dinge gegen uns gerichtet...

In Wirklichkeit ist es anders: Niemand ist irgendwann „weit“ und niemand ist „weiter“. Denn was wir über das Leben lernen können, ist UNENDLICH viel. Uns bleibt nichts, als zu lernen, wie man lernt. Wie man etwas nicht kennt, nicht kann, nicht weiß, und deshalb neugierig, wach, liebevoll dem eigenen Spüren folgt.

Sich selbst zu entdecken, zu erforschen, einzuladen ist keine Schule. Es ist ein unbedingt körperlicher und lebendiger Prozess der Entspannung. Es ist ein Ver-Lernen, welches uns auffüllt mit Staunen.

©Ilan Stephani
www.kalis-kuss.de
www.101milesofsexualhealing.com